

Beim Eintritt in das Schloss umfing uns dunkle Kühle. Tiefbraune Holztäfelung, Jagttrophäen an der Wand, gusseiserne Haushaltsgeräte (viktorianische Vorläufer moderner Lockenstäbe, Bügeleisen und Nähmaschinen), massive Eichenschränke, Schachbretter mit Intarsien und das vertraut wirkende Biedermeiermobiliar meiner Urgroßeltern…aber doch ist es irgendwie anders…

Nicht Sand, der durch Fenster oder Türöffnungen hinein dringt wie in Keetmanshop; heutige Überreste vom damaligen (deutschen) Südwestafrika, aber tropische Wüstenluft. Die Trophäen an den Wänden Antilopenhörner anstatt Hirschgeweihe.
Irgendwie passt dieses Schloss aus dem Jahr 1909 nicht in diese Landschaft aus warmem Sand und Köcherbäumen. Und dennoch steht es da – erbaut von einem deutschen Wehrmachtsoffizier aus gutem Hause – inmitten von Nirgendwo (selbst mit heutigen Maßstäben) in Namibia.

Wie sind wir unterwegs? Mit einem 4X4 Kompaktwagen von Lodge zu Lodge, mit Linksverkehr, und überwiegend auf Schotterwegen. Das ist Vibrationstraining der anderen Art!

Wir durchquerten auch die berüchtigte Skelettküste, einen öden 500 km langen und 30-40 km breiten Küstenabschnitt, der so manch vermeintlich glücklichem überlebenden Schiffbrüchigen früher oder später doch zum Verhängnis geworden ist (Tod durch Ertrinken, Verdursten, Verhungern oder vom Löwen gefressen zu werden).

Aber die Wüste bietet durchaus einige Schönheiten. Zum Beispiel “Big Daddy” – die mit ihren um die 400 Höhenmetern wahrscheinlich höchste Düne der Welt.

Dem wurde bei unserem Oman Besuch allerdings heftig widersprochen: in der Rub al-Khali (“Leeres Viertel”) Wüste wurde angeblich eine 455 m hohe Sanddüne entdeckt, welche damit zur höchsten Sanddüne der Welt würde! (Quelle:blog.nomad-reisen.de).
Der Oman war aber durchaus ein extrem reizvolles Reiseziel mit einigen Naturschönheiten.

“Big Daddy” im Sossusvlei ist aber nicht nur aufgrund ihrer (oder seiner?) Höhe eindrucksvoll. Die Besteigung gleicht ein bisschen dem Aufwand, den ich mir vorstelle wenn man die “uralte Morla“ in den “Sümpfen der Traurigkeit“ besteigen müsste. Man sinkt bei jedem Schritt aufwärts mit dem Sand wieder ein Stückchen abwärts. Begleitet von vielen Leidensgefährten um einen herum, denen es genauso geht, bis man nach schweißtreibenden 1-1.5 h den Gipfel (leider ohne Gipfelkreuz) erreicht. Aber voll ist es dort wie auf jedem bekannten Gipfel auch.

Wunderschön ist aber auch der Sand, tief rostrot durch jahrhundertelange Oxidation durch die feuchte Meeresluft, welche auch so manch seltsamem Lebewesen der Wüste seine Existenz ermöglicht (zum Beispiel dem sogenannten „Nebeltrinker“ – eine hier endemische Käfergattung). Man hat diese tiefroten Düne(n) schon oft auf Bildern gesehen. Und deren feine Körnchen rieseln einem nun beharrlich in die festen Schuhe, bis kein Platz mehr für die eigenen Füße ist. Spätestens beim Abwärtsgang, vorzüglich mit großen, federnden Schritten geradeaus die Düne wieder hinab, wo die Rutschpartie zum Vergnügen wird (insoweit man das Gleichgewicht halten kann – diese Abstiegsvariante ist also nicht jedem zu empfehlen).
Als Ausklang der Rückweg durch das sowohl malerische wie auch weltbekannte “Deadvlei”, wo sich viele in der Sonne verdorrte, skeletthafte, wie durch einen Zauber erstarrte Baumleichen im hübschen Kontrast zu den roten Dünen und dem stahlblauen Himmel fotografieren lassen.

Es gibt allerdings erstaunlich viel Leben im “Deadvlei” – jede Menge Touristen, die das Schicksal der Bäume (durch Dünenwanderung abgeschnittene Wasserversorgung) aufgrund moderner und vergnüglicher Versorgungstechniken (z.B. Outdoorpicknick unter Akazienbäumen – deren Wurzeln übrigens bis zu 60 m in die Tiefe hinabreichen können, und dieser hoch angepassten Baumart ihr Überleben in der Wüstentrockenheit sichern) nicht erleiden müssen.
Diese wunderschönen roten Dünen im Sossusvlei sind allerdings nicht einzigartig, wie sich bei unserem Besuch im Wadi Rum (gesprochen [wadi ram]), der Wüste Lawrence von Arabiens, im südlichen Jordanien, herausstellte.

Und das Land hat noch viel mehr zu bieten, aber darüber berichte ich ein andermal.
Namibia, 2018
Alle Bilder : Nora Petersen, CC BY SA 4.0



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