Es weht ein eisiger Ostwind. Am stahlblauen Himmel sind keine Kondensstreifen von Flugzeugen zu erkennen. Nachdem ich den Vormittag am Rechner gesessen habe, gehe ich jetzt in den Park laufen.

Dick eingepackt trete ich vor die Haustür. Es fühlt sich an wie ein frühlingshafter Sonntag. Auf den Straßen ist es ruhig, Kinder spielen in den Hinterhöfen. Die Müllkontainer sind aus ihren Boxen herausgerollt und stehen offen; normalerweise macht das Müllabfuhr direkt bei der Entsorgung. Vereinzelt liegt Müll auf dem Boden verteilt. Es ist ein schöner, sonniger Tag.

Im 2-Meter Slalom jogge ich um die anderen Spaziergänger im Park herum. Auf den Bänken am Wasser sitzen Leute, jeder auf seiner Bank; unterhalten sich. Ein Radfahrer steht mit etwas Abstand davor, scheint ebenso in das das Gespräch eingebunden. Der Timmdichpfad ist mit rot-weissem Flatterband abgesperrt.

In größeren Abständen spazieren Menschen nebeneinander, die Wildgänse haben sich einen Teil des Fußweges erorbert. In der Ferne hackt ein Specht in einem Baum, gestern habe ich einen Falken über unserem Wohnblock gehört. Die Nächte sind ungewohnt ruhig und erholsam, obwohl wir in einer Großtadt leben. Die Luft riecht frisch. Ein Polizeiauto fährt langsam über die Teerstraße, die durch den Park verläuft.

Hinter mir höre ich die schlurfenden Schritte eines Joggers, der die Füße nicht richtig anhebt. Es sind auffällig viele unerfahrene Läufer im Park unterwegs. Ich suche mir einen Laufweg etwas näher am Wasser, nutze die Wurzeln und Unebenheiten zum Training.

Bald möchte ich nochmal auf einen hohen Berg steigen. Das Training dafür ist hier auf etwa 50 Höhenmetern, und mit den nächsten nennenswerten (ca 300-400 m hohen) Erhebungen ca. 45 Minuten Autofahrt südlich von hier, schwierig. Die Kletterhalle hat zu, und mein Karateverein auch.

Da muss ich kreativ werden, verwandele meine Wohnung in ein Gym. Der Esstisch wird zur Kletterherausforderung mit Überhang, der Stahlträger zur Klimmzugstange.

Auf der Terrasse lässt sich mit viel Fantasie und unter Miteinbeziehung von Haushaltsgeräten ein kleiner Parcours aufbauen. Ein Holzbalken, eigentlich eine Halterung für mein Sonnensegel, wird zur Balancierstange, und die Trennwand zum anderen Balkon zur Sprossenwand. Ich baue eine Mattenfläche auf den Holzbohlen der Terrasse auf, um mir keine Spreißel zu holen.

Wieder eine Poppup Nachricht. Die nächste Telekonferenz. Mein Computer erwartet mich schon in meinem provisorischen Arbeitszimmer. Heute ist übrigens Montag. Ein ganz „normaler“ Arbeitsstag.

Wie es wohl wäre, wenn eine Pandemie die ganze Welt lahmlegt und die Menschen in die Selbstisolation schickt? Jetzt wissen wir es.

Ich habe aber noch andere, und schöne(re) Geschichten auf Lager – die nichts mit Covid-19 zu tun haben – und die kommen bald…

Alles wird gut!

Deutschland, 2020

Alle Bilder : Nora Petersen, CC BY SA 4.0