
1. August 2020. Die meisten Abenteuer beginnen früh am Morgen. Ich habe in diesem Urlaub keinen einzigen Tag richtig ausgeschlafen. Bereits am nächsten Morgen direkt nach meiner Ankunft in Berchtesgaden schwang ich mich gegen 3:50 Uhr auf das Ebike, um gegen 5 Uhr auf der Schapbachalm (1044 m) meinen lokalen Bergführer, einen Österreicher, zu treffen. Weder kannte ich ihn noch die einstündige Radstrecke, die halb durch das (mir noch komplett unbekannte) Schönau a. K. und halb durch den (mir ebenfalls unbekannten) Nationalpark ging.

Das Wetter zwang uns zu diesem Schnelleinstieg, um die „Wiederroute“ an der Ostseite erklettern zu können. „Kairos“ – der richtige Moment, und die Macht der einzigen Chance. Die Hotelangestellten haben erst verständnislos geguckt, als ich darum bat, für morgens um diese Uhrzeit an ein hoteleigenes Ebike herankommen zu wollen. Der Einsatz hat sich allerdings gelohnt. Das war der Einstieg.

6. August 2020. Noch im Zwielicht der Dämmerung und meiner Stirnlampe arbeitete ich mich den schrofigen und später blockigen Weg im Zickzack hinauf. Obwohl die meisten erst später gehen, war ich nicht ganz allein auf der Route. Hinter mir kündigte sich bereits ein wunderschöner Sonnenaufgang an. Gestern Abend saßen wir im Watzmannhaus (auf 1930 m) noch komplett im Wolkennebel. Das Ziel war der Watzmann. Einer der drei Gipfel, wobei die Mittelspitze mit 2713 m die höchste Erhebung ist, das Hocheck (2651 m) allerdings zuerst erreicht und damit am häufigsten besucht wird. Die Überschreitung aller drei Gipfel (einschließlich der Südspitze mit 2712 m und dem Abstieg durch das Wimbachgries) oder die Besteigung der Ostwand, mit 1800 m die höchste (und eine gefährliche) Felswand der Alpen, sind die anspruchsvolleren Alternativen. Alle Optionen haben ihre Eigenheiten. Aber der Reihe nach.


Ein paar Tage zuvor…
Als wir mit den Ebikes nicht mehr weiterkamen, sind wir zu Fuß weiter gewandert zur Einstiegsstelle der „Wiederroute“, oder der „Kleinen Ostwand“, die gern als Teststrecke für die richtige Ostwand genutzt wird. Äußerst abwechslungsreich führt sie zuerst durch das Watzmannkar mit alten Schneefeldern, den Überresten des Watzmanngletschers, sozusagen im „Schoß“ zwischen dem Watzmann, der gegenüberliegenden „Watzmannfrau“ (oder Kleiner Watzmann, 2307 m) und den kleineren „Watzmannkindern“ dazwischen. Dann geht es im 2. und 3. Grad (klettertechnisch) Richtung „Wiederband“, eine steile (ca 33 Grad geneigte) 18 m breite Felsplatte empor, dann am „Bandwächter“, einem Felspfeiler, vorbei und von dort aus hoch zur Mittelspitze.

Auch wenn wir hier nur auf knapp 2000 m unterwegs waren, mussten wir mehrmals Steigeisen anlegen, um die abschüssigen Altschneefelder zu überqueren. Insbesondere das Schneefeld auf dem „Wiederband“ weiter oben war eine extrem spannende, aufregende Angelegenheit. Einige Meter unterhalb kam uns ein Mitglied der dynamischen Bergsteigergruppe, die uns vorhin überholt hatte, entgegen. „Das Schneefeld oben geht bis zum Rand, da kommt man nicht links dran vorbei. Die anderen wollen drüber gehen, aber ich traue der Sache nicht, das knackte so unheimlich…“. Knackende Altschneefelder auf abschüssigem Gelände sind kein gutes Zeichen. Jederzeit und unvorhersehbar können sie abgehen, und alles, was sich in deren Falllinie befindet (was in diesem Fall auch ihre potentiellen Besteiger wären) mit sich reißen. Wir beschlossen, es uns anzusehen, und falls es zu riskant erschiene, ebenfalls den Rückzug anzutreten.

Bereits die seilfreie Kletterei unterhalb des „Wiederbandes“ war, vor allem psychologisch, extrem spannend und erforderte sehr gute Nerven. Den Abgrund einen Fußbreit neben mir möglichst ignorierend, kletterten wir die überwiegend leichten Passagen ohne Sicherung an den Kalkfelsen entlang. Eine ganz neue Erfahrung für mich, die auf gefährlichen Passagen in den Westalpen vom Bergführer immer gut abgesichert wurde. Für einen Laien schien die Strecke als solche zudem kaum identifizierbar, obwohl es Markierungen gebe. Sicherungen aber gab es so gut wie keine.

Schließlich erreichten wir die steile und sehr glatte Platte des „Wiederbandes“, die man mit guten Bergschuhen und ausgeprägter Trittsicherheit „auf Reibung“ gehen kann. Ich bekam ein kleines Sicherheitsbriefing vom Bergführer.
Man ist relativ sicher, zumindest solange man nicht auf einen der rollenden Steine oder auf nasse Stellen tritt und ausrutscht. Auf dieser Schräglage würde es einem die Füße unter den Beinen wegreißen. Und falls man den Rutschvorgang nicht aufhalten könnte, direkt über den Rand des „Wiederbandes“ in den Abgrund stürzen. Selten in meinem Leben habe ich so konzentriert darauf geachtet, wie und wo ich meine Füße aufsetze.

Dies war jedoch nicht der einzige spannende Faktor an dieser Passage. Über uns hing drohend das Altschneefeld, und in den vergangenen warmen Tagen mochte sich die Stabilität dieses Feldes um einiges verschlechtert haben. Mit prüfenden Blicken näherte sich der Bergführer dem Schneefeld, in dessen Falllinie wir uns ohnehin schon befanden, um dessen Festigkeit und das Risiko einzuschätzen. Ich hielt mich möglichst nahe an der rechten Felswand.

Wir beschlossen, es zu riskieren. „Lass uns nicht allzu lange hier verweilen, und das Feld zügig, aber nicht hektisch, überqueren.“ So schnell hatte ich meine Steigeisen noch nie an. In höchster Konzentration, und hierbei mit straffer Seilsicherung, überquerten wir das Feld und konnten es nach gefühlt unbestimmbarer Zeit (erleichtert) hinter uns lassen.

Dann ging es weiter aufwärts Richtung Mittelspitze, über griffige, aber teilweise sehr exponierte Stellen, die ein hohes Selbstvertrauen in die eigenen Kletterfähigkeiten erforderten.


Kurz unterhalb der Mittelspitze kam der Watzmanngrat (Richtung Südspitze) in Sicht. Mit einigen mutigen „Überschreitern“ darauf unterwegs auf dem streckenweise mit Drahtseilen abgesicherten Weg zur Südspitze.

Auf den letzten Höhenmetern mussten wir uns durch sehr gerölliges, steiles Gelände mit leichter Kletterei hocharbeiten, und dabei höllisch aufpassen, möglichst keine Steine loszutreten und ins Rollen zu bringen. Es war quasi unmöglich, auch bei höchster Konzentration, dies bei diesem kiesigen Untergrund komplett zu verhindern. Die herabfallenden Steine stellen jedoch eine Gefahr für Kletterer weiter unterhalb dar, und ein Helm ist bei dieser erheblichen Steinschlaggefahr ebenfalls zwingend erforderlich.
Wenige Minuten später erreichten wir die Mittelspitze. Und fühlten uns schlagartig wie auf einer alpinen Autobahn. Hier war richtig was los! Wir hatten unsere Rast daher kurz unterhalb der Spitze eingelegt.

Nach der üblichen Gipfelgratulation machten wir uns, entgegen der gängigen Route, auf dem Watzmanngrat auf zum Hocheck und Richtung Watzmannhaus. (Und Richtung ersehntes Kaltgetränk). Entgegenkommende Kletterer, meist mit Klettersteigsets gesichert, staunten nicht schlecht (vereinzelt kreidebleich im Gesicht), als wir uns wie die Gazellen über den Grat bewegten, einarmig an der Drahtversicherung festhaltend. Nach den vorigen Passagen an der Wand kam mir das fast wie ein Spaziergang vor, und das Adrenalin in meinem Blut tat sein Übriges.

Der Abstieg über das Hocheck zum Watzmannhaus zog sich noch ziemlich, vor allem mit den nun müden Beinen. Die Strecke war jedoch nicht mehr schwer oder ausgesetzt, nur mühsam und lang. Ich freute mich schon sehr auf ein „Halbes“ (ein Radler) – was in der Schweiz für mich das Rivella Getränk war, entpuppte sich hier jenes zitronige Biermischgetränk. Anschließend der Abstieg über die Alm zu unseren Ebikes, noch bei einigen Almen einen Zwischenstopp (mit weiteren „Halben“) einlegend, und zum Abschluß noch ein herrliches Fußbad in einem Holzbrunnen.




Auf diesen sehr intensiven, interessanten Tag folgte leider eine ausgeprägte Schlechtwetterperiode, die sogar Überschwemmungen und Hangrutschungen im Berchtesgadener Land nach sich zog. Wir standen als südöstlichster Zipfel Deutschlands als einzige unter Wasser.
Nichtdestotrotz brach ich mit allen Verkehrsmitteln, die mir zur Verfügung standen (Ebike, Auto, Bus und zu Fuß), zu meinen Entdeckungstouren auf.

5. August 2020. Der Aufstieg zum Watzmannhaus erforderte Optimismus. Und wetterfeste Kleidung. Die Hüttenausrüstung für eine Nacht musste ich ebenfalls bereits im möglichst leicht gepackten Rucksack mitführen. Ich hatte zwei ehrgeizige Wandertage im Visier. Über 1000 Höhenmeter heute, und weitere 800 m morgen, und 2000 m wieder abwärts.
Der erste Teil der Strecke erfolgte ganz klassisch mit dem Boot über den Königssee. Und obwohl ich zum ersten Boot um 8:00 bereits am Bootsanleger stand, stand vor mir auch schon eine lange Schlange.

Dennoch war es von Vorteil unter den ersten zu sein. Der Obersee, südlich des 8 km langen Königssees, lag noch spiegelglatt vor uns, und stellte ein wunderbares, fast leeres und feenhaftes Fotomotiv dar. Die Fischunkelalm war mein Zwischenziel, bevor ich mich auf den Weg über den anspruchsvollen Rinnkendlsteig (teilweise mit Drahtseilen und -stufen gesichert), über die „Archenkanzel“ (Aussichtspunkt auf 1346 m) und die Kührointalm (1420m) Richtung Watzmannhaus (1930m) machen wollte.



Bereits auf meinem Rückweg von der Fischunkelalm tummelten sich bereits sehr viel mehr Menschen an dem idyllischen Bootshaus am nördlichen Ende, Fotos und Selfies machend, und die mystische Stimmung von zuvor war komplett verflogen.

Der Aufstieg zur Kührointalm war schweisstriebend. Trotz der frischen Temperaturen, für die wir vom restlichen Deutschland bestimmt beneidet würden.
Auf dem letzten Stück zur Hütte schloss sich mir ein anderer „Solo-Wanderer“ an, der morgen die Überschreitung machen wollte, und wir vertrieben uns gemeinsam mit Gesprächen, Abendessen und einigen „Halben“ (und einem Marillenschnapps – vom Enzianschnapps hatte er mir dringend abgeraten) die Zeit bis zum Zapfenstreich. Die Nacht verbrachte ich, gemäß Zuteilung von der Hüttenleitung, gemeinsam mit einer dreiköpfigen Familie, die zunächst nichts von ihrem Glück wusste, in einem Vierbettzimmer. Das Haus war tatsächlich ausgebucht. Am nächsten Morgen habe ich mich aus dem Zimmer geschlichen, bin der Familie aber beim Abstieg (und deren Aufstieg) nochmals begegnet.
Der Vollmond leuchtete ins Zimmer und ich verlies das Haus noch in der Dunkelheit, jedoch bei klarem Himmel. Während meines ca. 2stündigen Aufstieges ging die Sonne über dem Hohen Göll (2522 m), Berchtesgaden und dem Salzburger Land auf und malte ein tolles Landschaftsbild.

Die umgebenden Gipfel leuchteten kurz im orangenen Alpenglühen auf, um dann in ein warmes erd-gelbes Licht getaucht zu werden, welches zunehmend heller und die Luft wärmer wurde.


Auf dem Hocheck angekommen, blickte ich sehnsüchtig von der Holzplattform neben der Schutzhütte auf die grob in den Stein gehauenen Stufen und die Drahtseile über dem schmalen Grat, die weiter zu den anderen Spitzen führten. Der Weg versprach Abenteuer und atemberaubende Ausblicke. Obwohl ich den Weg (zumindest bis zur Mittelspitze) bereits kannte, bereute ich ein wenig, dass mein Weg heute hier zu Ende war. Aber ich hatte noch andere Pläne.

Der Rückweg über die Almen, und endlich auch mit einem köstlichem Kaiserschmarrn auf der Grünsteinalm, war ebenso von tollen Ausblicken und warmem Sonnenschein geprägt. Ich brauchte einige Stunden für den (2000 hm) Abstieg zum Königssee, und belohnte meine müden Füße mit einem frischen Bad im See. Geeignete Stellen hatte ich bereits an den Tagen zuvor mit dem Ebike gescoutet. Der berühmte „Malerweg“ bot (neben schönen Ausblicken zum Königssee) den Zugang zu den schattigen Uferstellen. Allerdings waren die Steine nicht mehr so unberührt und leer wie während der Schlechtwettertage. Dennoch fand ich irgendwann mein Plätzchen, und genoss es einfach.

Als ich später ins Hotel zurückkehrte, musste ich für die morgige Tour, das Abschlusshighlight, nochmal ein Ebike organiseren. „Für wann brauchst du das Ebike? Fünf Uhr morgens? Schon wieder so eine Bergtour? Du bist echt verrückt….!!“ So verrückt, dass mir die Hotelangestellten einen Drink ausgaben. Und natürlich bekamen wir das mit dem Ebike auch diesmal wieder organisiert.
7. August 2020. Am nächsten Morgen um kurz nach fünf saß ich mit meiner Stirnlampe auf dem Kopf und dem Kletterrucksack auf dem Rücken wieder auf dem Fahrrad und machte mich auf eine knapp einstündige Fahrt zum Untersberg auf.

Es heißt, der Dalai Lama besuche Salzburg jedes Jahr. In den 90er Jahren habe er den Untersberg als das „Herz-Chakra“ Europas bezeichnet (selbst die Kelten verehrten den Berg in früheren Zeiten) und es ranken sich viele Legenden darum. Verschwundene Menschen, seltsame Zeitsprünge, Fabelwesen und Schätze. Er kann durch seine geografische Lage aber durchaus als „Tor“ zwischen zwei Welten gesehen werden. An die flache Ebene auf der einen Seite angrenzend und an die imposante Bergwelt der Alpen, die sich direkt dahinter emporhebt, auf der anderen Seite.

Wir wollten heute den Barthkamin erklettern. Eigentlich sollte man eine längere Schönwetterperiode dafür abwarten, weil der Kamin noch nass sein kann. Aber wir wollten es trotzdem riskieren. Morgen würde ich wieder abreisen. Mal wieder die Chance, die es zu ergreifen galt.
Bereits von Weitem war der Berg ein wunderschöner Anblick, und auch das umgebende Land malerisch.


Der Wanderweg zur Einstiegsstelle ging durch herrlichen Wald und später Almen. Am Einstieg legten wir ein Rucksackdepot an, um möglichst leicht klettern zu können. Die nächsten Stunden würden wir an einer senkrechten Felswand verbringen.

Wir legten unsere Klettergurte, Sicherungsgeräte, Helme und Seil an, nahmen ausreichend Exen zur Zwischensicherung mit und los gings. Ich sicherte den Bergführer im Vorstieg. Zuerst mit meinem Tube, später nur noch mit dem Halbmastknoten (was im alpinen Bereich eigentlich die gewichtstechnisch leichteste und praktischste Variante ist). Aufgrund der wenigen Haken war es allerdings für ihn fast wie „Free Solo“ klettern, und er sollte besser nicht vor dem ersten Haken fallen. Der Schwierigkeitsgrad der Routen wurde bis auf 4+ bewertetet, allerdings waren wir uns einig, dass es an machen Stellen, durch Überhänge und glattgeschliffene Stellen, eher Richtung 5- ging. Vor allem mit Bergschuhen.

Der Einstieg war klettertechnisch zunächst leicht, dann traversierten wir auf einem schmalen Grasband Richtung Barthkamin, bevor es den, teilweise recht engen Schacht hinauf ging. Die Standplätze waren luftig, auf herausstehenden Felssäulen oder auf im Schacht eingeklemmten Steinbrocken. An manchen Stellen leichte Überhänge, und eine „heikle“ Stelle, wie der Bergführer es nannte, erforderte eine Mischtechnik aus sich seitlich hochziehend und mit dem Hinterteil über einen Felsvorsprung schrubbend. Elegant könne man diese Passage in der Regel nicht meistern.

Genauso unelegant quetschte ich mich an manchen Stellen die schmale Steinritze empor, und schrubbte derart mit meiner Hose und dem Rucksack am Fels entlang, dass ich befürchtete, das Material könnte das vielleicht nicht schadlos überstehen. Doch heutige Outdoorkleidung ist oft robuster als sie aussieht. Den vollen Körpereinsatz beim Klettern hat man dann vor allem an meinen Unterarmen und Unterschenkeln (Kratzer, blaue Flecken) erkannt. Und am verschlammten Outfit am Ende der Tour.


Eine besonders spannende Stelle, die ich leider nicht fotografieren konnte, war ein eingeklemmter Stein, der zu passieren war. Ich konnte leider nicht beobachten, wie der Bergführer die Stelle erklettert hatte, sah jedoch, dass das Seil außen vorbei ging und die Route aber innen im Riss. Ich überlegte, ob ich mich erst verklettert hätte, bis von oben die Info kam, ich müsse unterhalb dieses Steines noch vorn klettern und mich dann daran hochziehen. Ich traute erst meinen Ohren nicht, aber es war die einzige Möglichkeit. Kurz gesammelt und konzentriert, so ging es also, ein Überhang vom feinsten, aber kurz und griffig.
Ich habe auch in dieser Klettertour wieder etwas wichtiges gelernt. Auch wenn man den Weg erst mal nicht sieht, und es einem kurz nicht machbar erscheint – gibt es doch immer eine Lösung, eine Möglichkeit die Route doch zu bewältigen. Viel mit stemmen, rutschen, quetschen und Eindrehen gearbeitet.



Etwa 12 Seillängen, und ca. 3 Stunden später erreichten wir den oberen Ausstieg der Route. Fast schon schade. Aber gleichzeitig wuchs wieder die Vorfreude auf eine kleine Erfrischung im „Störhaus“ (1894 m) auf dem Hochplateau des Untersberges.

Wir hatten den Kamin wie eine „Hauptschlagader“ des „Herz-Chakras“ erklommen und genossen nun eine herrliche Aussicht.



Der Abstieg erfolgte durch das „Mittagsloch“; über eine Metallleiter hinab in eine Höhle mit drahtseilgesichertem Abstieg entlang rutschiger Abhänge, wieder zurück zu unserer Einstiegstelle. Auch hier war bis zum Ende Konzentration gefragt um nicht nur das Gleichgewicht zu behalten, sondern auch Steinschlag auf dem karstigen Untergrund zu vermeiden.



Die Corona Maßnahmen haben aber auch hier ihre Spuren gezeigt: Das Ostwandlager gesperrt (und die ersten frühen Boote fahren zu spät um rechtzeitig einsteigen zu können), feste Frühstückszeiten am Hotel, weit verteilte Tische (daher musste ich öfter zwischen den Fahrrädern frühstücken), weniger Zimmerservice (dafür aber mehr desinfiziert), Mundschutz und lange Erklärungen beim Check-In. Ebenso das Bahnfahren mit all dem Gepäck, Polizeieinsätze und Verspätungen, und dann der Mund-Nasenschutz, der einem zusätzlich das Gesichtsfeld einschränkt, ist eher mühsam. Und das öffentliche Verkehrsnetz ist auch (noch) nicht besonders Abenteurerfreundlich.
Nach einem schönen Abstieg und einem Eiskaffee kühlten wir noch unsere Füße am Ufer der „Königsseer Ache“. Was für ein herrlicher Ausklang bei dem heißen Wetter.


Am nächsten Morgen mußte ich wieder Abschied nehmen von dieser Welt, den Ostalpen. Ein bisschen hatte ich das Gefühl, auch einen kleinen Zeitsprung gemacht zu haben… 😉



Deutschland 2020
Weitere Links zum Vertiefen
https://www.berchtesgadener-bergfuehrer.de/
https://www.berchtesgaden.de/berge-gipfel/watzmann
Alle Bilder : Nora Petersen, CC BY SA 4.0
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